Projektdarstellung primakids

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Primärprävention und Gesundheitsförderung im Setting Schule

Das Projekt „primakids – Primärprävention und Gesundheitsförderung im Setting Schule“ wurde von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse von 2002-2006 durchgeführt. Über vier Jahre wurden Maßnahmen zur Verhaltens- und Verhältnisprävention im Grundschulbereich entwickelt und in Hamburger Grundschulen erprobt und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Verteilung der Projektschulen über Hamburg
Verteilung der Projektschulen über Hamburg

Hauptziel der Studie war die Durchführung und Bewertung der Wirksamkeit von gesundheitsfördernden Maßnahmen für Kinder im Primarschulalter. Das Vorhaben zielte darauf ab, Gesundheitsförderung systematisch zu behandeln, indem sowohl durch Lerneinheiten das gesundheitsförderliche Verhalten der Schülerinnen und Schüler verändert wurden, als auch durch Entwicklungsprozesse in der Schulorganisation Veränderungen der Verhältnisse in den Schulen angestrebt wurden: Schulentwicklung und Gesundheitsförderung sollten miteinander verbunden werden. Im Rahmen eines ganzheitlichen Herangehens im Setting Schule wurden auch Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von Lehrerinnen und Lehrern in das Projekt integriert.

Projektübersicht
Projektübersicht

Kindergesundheit

Hauptziel der Intervention war es, den Schülerinnen und Schülern eine der Gesundheit förderliche Lebens- und Denkweise zu vermitteln. Die Studie untersuchte die Auswirkung der Interventionen auf den Gesundheitsstatus sowie auf das Gesundheitsverhalten und das subjektive Gesundheitsempfinden im Vergleich zu einer Kontrollgruppe. Vielerorts in Deutschland zeigte sich im vergangenen Jahrzehnt in Schuleingangsuntersuchungen eine Verschlechterung des Gesundheitsstatus von Kindern. Die aktuelle Lage zur Kindergesundheit spiegelt sich in den Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys des RKI (2007) wider:

Schmerzen

Übergewicht

Chronische Beschwerden

Verhaltensauffälligkeiten

Da sich Gesundheitsressourcen und das Gesundheitsverhalten schon in der Kindheit entwickeln, sollten Gesundheitsförderungsprogramme möglichst frühzeitig im Kindesalter ansetzen; darüber hinaus ermöglicht schulische Gesundheitsbildung und –förderung einen Präventionsansatz, um Kinder aus Familien in schwierigen sozialen Lagen wirksam zu erreichen:

Herangehensweise zur Förderung von Kindergesundheit aus wissenschaftlicher Perspektive

Grundannahmen

Handlungsansätze

Die Studienpopulation des primakids – Projektes setzte sich aus Schülerinnen und Schülern von 14 Hamburger Grundschulen zusammen, die von der ersten bis zur vierten Klasse betrachtet wurden. Dabei haben 9 Schulen die Interventionsgruppe sowie 5 Schulen die Kontrollgruppe gebildet.

An den Grundschulen der Interventionsgruppe wurden jährlich jeweils im zweiten Schulhalbjahr Interventionsmaßnahmen in Form von Lerneinheiten zur Gesundheitsförderung und Adipositasprävention durchgeführt. Der Interventionstyp Gesundheitsförderung beinhaltete die Themenschwerpunkten Ernährung, Bewegung, Suchtprävention, Gewaltprävention und Stressbewältigung. Im Interventionstyp Adipositasprävention wurden die Themenschwerpunkte „fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag“, „weniger Fett zu sich nehmen“, „weniger Fernsehen“, „Bewegung“ und „gemeinsame Familienmahlzeit“ behandelt.

Zur Messung auftretender Effekte der Interventionsmaßnahmen wurden im Verlauf des Projektes jährlich jeweils im ersten Schulhalbjahr bei allen Probanden standardisierte Interviews zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und zum Gesundheitsverhalten durchgeführt. Daneben wurden jährlich Körpergröße und Körpergewicht gemessen.

Im Sinne eines aufeinander aufbauenden Spiralcurriculums wurden für jede Klassenstufe von der ersten bis zur vierten Klasse jeweils fünf Unterrichtseinheiten à 90 Minuten entwickelt. Die Unterrichtseinheiten wurden nach einem Pilottest in nicht am Projekt beteiligten Schulen weiter optimiert und dann in Zusammenarbeit mit den Klassenlehrern in 20 Klassen mit ca. 600 Schülerinnen und Schülern in den 9 Grundschulen der Interventionsgruppe durch Studierende im Hauptstudium der beiden Studiengänge Ökotrophologie und Gesundheitswissenschaft durchgeführt. In den Schulen der Kontrollgruppe fanden keine Unterrichtsinterventionen statt.

Die Kinder nahmen dort nur an den begleitenden Befragungen und den Messungen von Körpergröße und Körpergewicht teil.

Das standardisierte Interview mit den Schülerinnen und Schülern beinhaltete Informationen zur Person, Familie, Schulsituation, zur Freizeit sowie zur Gesundheitssituation und zum Selbstbild. Parallel dazu wurde mittels eines Elternfragebogens die soziale Lage der Kinder im Kontext der Familie erhoben.

Lehrergesundheit

Das zweite Teilprojekt im Rahmen des primakids – Settingansatzes beinhaltete die Konzeption und Erprobung von Maßnahmen zur Verbesserung der Gesundheitssituation von Lehrerinnen und Lehrern.

Die Lehrertätigkeit ist im besonderen Maße mit psychischen Belastungen verbunden. Diese Belastungsseite hängt mit der vielschichtigen Anforderungsstruktur der Lehrertätigkeit zusammen. Die Beanspruchungsfolgen der spezifischen Belastungssituation im Hinblick auf sozial-kommunikative und emotionale Anforderungen aus der Spezifik des Berufs - stressbedingte Erkrankungen, Burnout, Depressionen - wurden in einer Vielzahl von nationalen und internationalen Studien immer wieder festgestellt. Die heutige Schule scheint mit ihren Arbeitsbelastungen zahlreiche Anforderungen zu stellen, die von Lehrerinnen und Lehrern zunehmend schlechter bewältigt werden können. Dies findet seinen deutlichen Ausdruck in dem häufigen vorzeitigen Ausscheiden von Lehrkräften aus dem Schuldienst. In der Literatur wird bei aus Krankheitsgründen dienstunfähigen Lehrern von einer lang andauernden schlechten Arbeitsfähigkeit vor dem endgültigen Berufsausstieg ausgegangen, wofür die Ursachen auf gesellschaftlicher, beruflicher und individueller Ebene angenommen werden.

Struktur der Lehrerschaft in Deutschland

Ausscheiden aus dem Lehrerberuf

Arbeits- und Belastungssituation

Krankheitsgeschehen

Präventive Ansätze

Auf der Grundlage gesundheitspsychologischer Ansätze der Verhaltensprävention und einer Diagnose der Arbeits- und Belastungssituation - auf Basis von vielfältigen Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern Hamburger Grundschulen - wurde ein Coaching-Konzept für Lehrkräfte entwickelt, das Lehrerinnen und Lehrern in Projektschulen angeboten und von sechzehn Lehrkräften wahrgenommen wurde. Im Sinne eines Vorher-Nachher-Designs zur Evaluation des Coaching wurde das Instrument AVEM (Arbeitsbezogene Verhaltens- und Erlebensmuster) verwendet.

Schulentwicklung als Gesundheitsförderung

Im Rahmen des Settingansatzes wurden in zwei der neun Interventionsschulen Organisationsentwicklungsmaßnahmen erprobt, die auf unterschiedliche Schwerpunkte der Schulentwicklung ausgerichtet waren. Das Vorgehen für die zweijährige Projektbearbeitung wurde beginnend mit einer Initiativphase über eine Konzeptphase in eine Durchführungsphase mündend strukturiert (vgl.Abb.2).

Nach Schaffung der organisatorischen Rahmenbedingungen erfolgte bei Lehrerrinnen und Lehrern, Schülerinnen und Schülern sowie Elternvertreter in Form von Interviews eine Bedarfserhebung für gesundheitsfördernde Maßnahmen in den beteiligten Schulen. Im Rahmen des Partizipationsansatzes im Pilotvorhaben wurden die Diagnoseergebnisse dem Lehrerkollegium und der Schülerschaft rückgekoppelt.

In den beiden beteiligten Schulen wurden Projektgruppen gebildet, die sich jeweils aus dem Kollegium der Schule, der Schulleitung und der wissenschaftlichen Begleitung zusammensetzten. Aus vielfältigen Erfahrungen der Organisationsentwicklung war davon auszugehen, dass für einen erfolgreichen Prozess gesundheitsfördernder

Konzept zur Schulentwicklung
Abb.2: Prozess der Schulentwicklung

Schulentwicklung eine Unterstützung von außen in Form von Projektmanagement- und Moderationskompetenzen auf Schulebene benötigt wird. Diese Unterstützung wurde für die beiden beteiligten Projektschulen von Mitgliedern der Forschungsgruppe der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg übernommen.

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